Batterieenergiespeichersysteme

Alpiq plant Grossbatterie für die Schweiz in Niedergösgen

21.07.2026, 11:00 | Versorgungssicherheit

In Finnland und Frankreich hat Alpiq bereits erste sogenannte Batterieenergiespeicher-systeme (BESS) erfolgreich im Einsatz. Jetzt plant Alpiq das erste Speicher-Projekt in der Schweiz. In Niedergösgen soll eine 300 MW / 1200 MWh Batterie entstehen. Im Interview erklärt Amédée Murisier, Head Assets und Geschäftsleitungsmitglied von Alpiq, weshalb Batterien auch im «Wasserschloss Schweiz» für die Energiezukunft immer wichtiger werden, welche Rolle die Schweiz dabei künftig spielen kann und welche Erfahrungen Alpiq mit BESS bereits im Ausland gesammelt hat.

Amédée Murisier, mit dem Batteriespeicher-Projekt in Niedergösgen bringt Alpiq sein erstes BESS-Vorhaben in der Schweiz voran. Was macht dieses Projekt strategisch besonders?

Das Projekt in Niedergösgen im Kanton Solothurn ist für uns sehr wichtig, weil es exemplarisch zeigt, wie wir BESS in der Schweiz positionieren wollen. Es handelt sich um eine Grossbatterie mit rund 300 MW Leistung und etwa 1’200 MWh Speicherkapazität, die wir an einem wichtigen Knotenpunkt des Schweizer Stromnetzes und in unmittelbarer Nähe des Kernkraftwerks Gösgen und des Laufwasserkraftwerks Gösgen entwickeln. Das Projekt ist noch in der Planungsphase. Kürzlich wurde mit Swissgrid eine Grundsatzvereinbarung für den Netzanschluss abgeschlossen – ein wichtiger Meilenstein. Bald startet der Bewilligungsprozess. Gerade in der Schweiz ist das ein entscheidender Faktor für die Realisierbarkeit solcher Anlagen.

Alpiq baut ihre Rolle als europäische Anbieterin von Flexibilitätslösungen gezielt aus.

Amédée Murisier, Leiter Assets und Mitglied der Geschäftsleitung von Alpiq

Was bedeutet diese Entwicklung konkret für die Schweiz? Welche Rolle können BESS hier künftig spielen?

Wir wollen dazu beitragen, dass das Stromsystem flexibler, stabiler und besser auf die Integration erneuerbarer Energien vorbereitet wird. Das ist notwendig, um unter anderem den Ausbau der Photovoltaik in der Schweiz zu begleiten. Die Schweiz verfügt mit ihrer Wasserkraft bereits über eine starke Flexibilitätsbasis, welche aber allein nicht ausreicht. BESS können diese ideal ergänzen – insbesondere im sehr kurzfristigen Bereich und überall dort, wo zusätzliche Speicherleistung Netz und Markt entlastet.

Welchen konkreten Mehrwert bieten BESS für die Flexibilität und Stabilität des Schweizer Stromsystems?

Flexibilität im Stromsystem ist vielerorts zu einem zentralen Erfolgsfaktor der Energiewende geworden. Mit dem wachsenden Anteil von Strom aus Photovoltaik und Wind entstehen stärkere kurzfristige Schwankungen bei Einspeisung und Preisen. Genau hier kommen BESS ins Spiel: Sie können Strom genau dann aufnehmen, wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist, und ihn dann wieder einspeisen, wenn er gebraucht wird – etwa in den Abendstunden oder bei kurzfristigen Frequenzschwankungen. Das macht sie zu einer idealen Ergänzung in einem Energiesystem, das immer stärker von wetterabhängiger Produktion geprägt ist. Auch in der Schweiz wird diese Fähigkeit wichtiger: Der Ausbau der Photovoltaik schreitet schnell voran, gleichzeitig steigt der Bedarf an netz- und systemdienlicher Flexibilität. Als ein zentraler und systemrelevanter Energieknotenpunkt mit direkter Anbindung an das Schweizer Übertragungsnetz kann der Standort Niedergösgen in begrenztem Umfang zur Stabilisierung der Nord-Süd-Stromflüsse beitragen.

Alpiq betreibt derzeit zwei operative BESS in Finnland und Frankreich. Was zeigen die Erfahrungen mit diesen Anlagen?

Unsere ersten Projekte bestätigen, dass BESS für Alpiq nicht nur strategisch relevant, sondern operativ und kommerziell interessant sind. In Finnland haben wir im Oktober 2025 in Valkeakoski unser erstes eigenes Batteriespeichersystem in Betrieb genommen – eine Anlage mit einer Leistung von 30 MW und einer Kapazität von 36 MWh. Es handelt sich um ein technologisch bemerkenswertes Projekt, das zu den ersten Anlagen in den nordischen Ländern gehört, welches die Anforderungen des Gridforming erfüllt. Damit ist die Anlage in der Lage, das Netz kontinuierlich, unmittelbar und ohne externe Steuerungsmassnahmen zu stützen, selbst bei Störungen oder Ausfällen im Netz. Mit ihrem BESS Accelerator hat Alpiq bei diesem Projekt auch ihre eigene Optimierungs- und Vermarktungsplattform für BESS eingeweiht. Basierend auf Wetter-, Verbrauchs- und Marktprognosen wird der Einsatz der Batterie ständig optimiert und angepasst.

In Frankreich haben wir mit der Übernahme des BESS Cheviré in Nantes einen Meilenstein erreicht: Das Projekt mit 100 MW und 200 MWh ist einer der grössten in Betrieb befindlichen Batteriespeicher des Landes. Solche Anlagen zeigen sehr konkret, welchen Beitrag BESS zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit leisten können. Für Alpiq sind sie zudem wertvoll, weil wir dadurch nicht nur Anlagen besitzen, sondern auch unsere Kompetenz im Betrieb, in der Optimierung und in der Vermarktung dieser Flexibilität weiter ausbauen.

Wie sieht für Alpiq der nächste Wachstumsschritt beim Ausbau ihres BESS-Portfolios aus?

Wir haben in kurzer Zeit ein substanzielles Portfolio aufgebaut und wollen unser Profil weiter stärken. Das unterstreicht insbesondere auch der jüngste Entscheid von Alpiq für eine Mehrheitsbeteiligung an Harmony Energy, einem europaweit tätigen führenden Entwickler und Betreiber von BESS (mehr Informationen: Medienmitteilung). Unser Ziel ist klar: Wir wollen unsere Position als Anbieterin von Flexibilitätslösungen in Europa erweitern und das BESS-Portfolio in den nächsten Jahren gezielt auf Multi-Gigawatt-Grösse ausbauen. Entscheidend ist dabei für uns nicht nur die Projektpipeline, sondern die Fähigkeit, diese Anlagen erfolgreich zu betreiben und marktnah zu optimieren.

Was ist aus Investorensicht die zentrale Botschaft hinter dem BESS-Ausbau von Alpiq?

Die zentrale Botschaft ist: Alpiq baut ihre Rolle als europäische Anbieterin von Flexibilitätslösungen gezielt aus. BESS sind dabei ein logischer nächster Schritt, weil sie das bestehende Portfolio aus Wasserkraft, thermischen Flexibilitätsoptionen und Optimierungskompetenz ideal ergänzen. Für uns ist das Teil einer langfristigen, breiteren Strategie. Wir investieren in ein Geschäftsfeld, das durch Dekarbonisierung, Elektrifizierung und den Ausbau erneuerbarer Energien strukturell Rückenwind hat. Gleichzeitig bleiben wir diszipliniert: Wir verfolgen nur Projekte, die zu unseren geografischen Kernmärkten passen und wirtschaftlich tragfähig sind.