Versorgungssicherheit

Staudämme – mehr als nur Energieerzeugung

03.09.2026, 14:00 | Versorgungssicherheit

Angesichts des Klimawandels und wachsender Anforderungen dienen Staudämme nicht mehr nur der Stromerzeugung. Trinkwasserversorgung, Bewässerung, Hochwasserschutz oder Erhalt von Ökosystemen – bei ihrer Bewirtschaftung müssen nun teilweise konkurrierende Nutzungszwecke in Einklang gebracht werden. Xavière Schröder, Umweltprojektleiterin bei Alpiq, erläutert die Herausforderungen dieser Multifunktionalität und zeigt Wege auf, wie man sich besser darauf einstellen kann.

3 Fragen an Xavière Schröder, Umweltprojektleiterin

Man spricht immer häufiger von multifunktionalen Staudämmen. Welche Funktionen können sie konkret über die Stromerzeugung hinaus vereinen?

Staudämme wurden in erster Linie zur Stromerzeugung gebaut. Im Laufe der Zeit kamen weitere Funktionen hinzu – zum Beispiel die Trinkwasserversorgung, die Bewässerung, die Erzeugung von Kunstschnee, die Brandbekämpfung oder der Hochwasserschutz. Stauseen und die dazugehörige Infrastruktur können zudem touristischen Zwecken dienen, Freizeit- und Kulturangebote ermöglichen oder zur Erzeugung von Solarenergie beitragen. Multifunktionalität bedeutet daher, all diese Nutzungsarten sowie ihre Wechselwirkungen auf der Ebene eines Wasserkraftwerks und der Regionen, die es mit Wasser versorgen, zu berücksichtigen.

In Zukunft werden eine bessere Verknüpfung zwischen der Wasser- und der Energiepolitik sowie eine stärker integrierte Steuerung erforderlich sein.

Xavière Schröder, Umweltprojektleiterin bei Alpiq

Wie lässt sich bei zunehmender Wasserknappheit ein Ausgleich zwischen Stromerzeugung, Wasserversorgung, Bewässerung, Hochwasserschutz und dem Erhalt von Ökosystemen schaffen?

Es gibt keine einheitliche Antwort. Die Bedürfnisse können sich ergänzen, aber auch miteinander konkurrieren, insbesondere wenn Wasser knapp wird. Daher ist es notwendig, über fundierte Kenntnisse der verfügbaren Mengen und des Bedarfs zu verfügen, die verschiedenen betroffenen Akteure einzubeziehen und transparente Regeln für die Koordination und Priorisierung festzulegen. Derzeit beruhen diese Abwägungen noch weitgehend auf pragmatischen Vereinbarungen, die auf lokaler Ebene getroffen werden. In Zukunft werden eine bessere Verknüpfung zwischen der Wasser- und der Energiepolitik sowie eine stärker integrierte Steuerung auf der Ebene der Wasserbauvorhaben, der Kantone und des Bundes erforderlich sein.

Welche Verpflichtungen geht Alpiq in diesem Bereich ein und wie können diese dazu beitragen, die Bewirtschaftung der Wasserkraftanlagen weiterzuentwickeln?

Alpiq kofinanziert gemeinsam mit der Universität Lausanne ein unabhängiges Forschungsprojekt zur Multifunktionalität alpiner Wasserkraftinfrastrukturen. Diese Zusammenarbeit ermöglicht ein besseres Verständnis der bestehenden Nutzungen, ihrer Wechselwirkungen und der Regeln, die deren Bewirtschaftung regeln. Die Ergebnisse liefern somit wissenschaftliche Grundlagen für die Weiterentwicklung der Steuerung der Anlagen, insbesondere bei der Planung und Erneuerung von Konzessionen. Alpiq beabsichtigt, diesen Ansatz gemeinsam mit ihren Partnern und den betroffenen Gebietskörperschaften fortzusetzen, indem das Wissen über Ressourcen und Bedürfnisse vertieft, Zukunftsszenarien erarbeitet und Instrumente untersucht werden, die transparente Abwägungen sowie eine integrierte und zukunftsorientierte Wasserbewirtschaftung erleichtern.

„Multifunktionalität der alpinen Wasserkraftanlagen“

Im Rahmen ihrer Dissertation an der Universität Lausanne untersucht Andréa Savoy die Steuerung der Multifunktionalität von Staumauern in der Schweiz anhand von drei Fallstudien: den Anlagen von Cleuson, Hongrin-Léman und Gougra. Sie hat sich zudem mit Steuerungspraktiken anderer Länder, insbesondere Frankreichs, befasst. Ihre Arbeit analysiert die vielfältigen Nutzungsarten von Wasser und Wasserkraftanlagen, deren Regulierung sowie die notwendigen Abwägungen zwischen Stromerzeugung, Wasserversorgung, Bewässerung, Hochwasserschutz und dem Erhalt von Ökosystemen. Andréa Savoy wird ihre Dissertation am 20. Oktober 2026 um 15 Uhr am IDHEAP (Universität Lausanne) verteidigen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen in unserer Analyse (auf Französisch)

Vers des barrages multifonctionnels en Suisse : quels enseignements pour une gouvernance durable des ressources ?