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Gemeinsam Europas Batteriezukunft gestalten

07.10.2026, 12:00 | Markt

Ein Gespräch mit Christoph Bellin, Leiter BESS bei Alpiq und Chief Integration Officer Harmony Energy, und Peter Kavanagh, CEO von Harmony Energy.

Mit dem Erwerb einer 90-prozentigen Beteiligung an Harmony Energy im Juli 2026 hat Alpiq einen der wichtigsten strategischen Schritte in der jüngeren Unternehmensgeschichte vollzogen. Die Kombination der umfangreichen Batterieentwicklungs-Pipeline von Harmony Energy mit der Expertise von Alpiq in Energiemärkten und Flexibilitätslösungen schafft eine leistungsstarke Partnerschaft. Beide Unternehmen bündeln ihre Kräfte, um den europaweiten Ausbau von Batterieenergiespeichersystemen (BESS) voranzutreiben. Im gemeinsamen Interview sprechen Christoph Bellin und Peter Kavanagh darüber, wie die Integration voranschreitet, wo sie bereits gemeinsam Wertschöpfung erzielen und wie sie eine der führenden Batteriespeicherplattformen Europas aufbauen wollen, um ein flexibleres und widerstandsfähigeres Energiesystem zu fördern.

Unsere Ambition ist klar: Wir wollen eine der führenden Batteriespeicherplattformen in Europa aufbauen.

Christoph Bellin, Leiter BESS bei Alpiq und Chief Integration Officer Harmony Energy

Mehrere Monate sind vergangen, seit Alpiq die Mehrheitsbeteiligung an Harmony Energy übernommen hat. Was hat Euch beide bisher an der Partnerschaft am meisten beeindruckt?

Christoph Bellin: Am meisten beeindruckt hat mich, wie schnell die Teams zusammengefunden haben. Vom ersten Tag an war das Verhältnis von grossem gegenseitigem Respekt und einem gemeinsamen Verständnis der sich uns eröffnenden Chance geprägt. Alpiq verfügt über jahrzehntelange Expertise in den europäischen Energiemärkten, in der Flexibilitätsoptimierung und im Asset Management, während Harmony Energy eine aussergewöhnliche Erfolgsbilanz bei der Entwicklung und Umsetzung von Grossprojekten im Batteriebereich vorweist. Diese Kompetenzen ergänzen sich in bemerkenswerter Weise.
Peter Kavanagh: Dem stimme ich zu. Besonders hervorzuheben ist die Übereinstimmung in unseren Zielen. Beide Unternehmen sind sich bewusst, dass Batteriespeicher eine entscheidende Rolle im künftigen Energiesystem spielen werden, und wir sind beiderseits fest entschlossen, diesen Wandel voranzutreiben. Trotz unterschiedlicher Hintergründe haben wir festgestellt, dass unsere Unternehmenskulturen erstaunlich ähnlich sind: unternehmerisch, pragmatisch und ergebnisorientiert.

Christoph, Du hast den Erwerb als «wahrscheinlich den Coup Deines Lebens» bezeichnet. Warum ist diese Transaktion für Alpiq ein solcher Meilenstein?

Christoph Bellin: Weil sie unsere Position im europäischen Batteriespeichermarkt grundlegend verändert. Sie ist ein strategischer «Fit». Alpiq hat bereits vor der Akquisition starke Kompetenzen in den Bereichen Flexibilitätslösungen und Energiehandel aufgebaut. Durch die Einbindung von Harmony Energy fügen wir eine Multi-Gigawatt-Pipeline an Projekten hinzu, rund 400 MW an Batterieanlagen, die sich derzeit im Bau befinden, und mehr als 700 MW an bereits realisierten Batteriespeicherprojekten in ganz Europa. Diese Erweiterung beschleunigt die Umsetzung unserer Ambitionen um mehrere Jahre und bietet uns eine Plattform, um eine der führenden europäischen BESS-Akteurinnen zu werden. Für uns ist dies nicht nur eine Akquisition, sondern ein grundlegender Schritt in der Umsetzung der Flexibilitätsstrategie von Alpiq.

Beide Unternehmen sind sich bewusst, dass Batteriespeicher eine entscheidende Rolle im künftigen Energiesystem spielen warden.

Peter Kavanagh, CEO von Harmony Energy

Peter, welche neuen Möglichkeiten ergeben sich für Harmony Energy?

Peter Kavanagh: Der grösste Unterschied besteht darin, dass wir jetzt viel längerfristiger planen können. In der Vergangenheit mussten wir einige baureife Projekte veräussern, um weiteres Wachstum zu finanzieren. Dank der Investition und des langfristigen Engagements von Alpiq verfügen wir nun über die Finanzkraft, einen viel grösseren Teil unserer Projekte selbst zu entwickeln, zu bauen, zu besitzen und zu betreiben. Wir können bereits in allen Ländern, in denen wir tätig sind, eine starke Pipeline vorweisen. Das Team freut sich, dass wir nun über den Rückhalt verfügen, um längerfristiger tätig zu sein.

Integration ist oft der Schlüsselfaktor für das Gelingen oder Scheitern von Akquisitionen. Worauf habt Ihr Euch in den ersten Monaten nach der Transaktion konzentriert?

Christoph Bellin: Unser Ziel war vom ersten Tag an klar: Wir wollten unsere Kompetenzen bündeln, ohne dabei das zu verlieren, was Harmony Energy so erfolgreich macht. Harmony operiert weiterhin unter eigenem Namen und mit dem bestehenden Führungsteam. Wir schaffen dort eine stärkere Verbindung zwischen den Teams, wo unmittelbarer Nutzen und Synergien entstehen, beispielsweise bei der Beschaffung von BESS. Meine Aufgabe als Chief Integration Officer besteht darin, sicherzustellen, dass wir die Stärken beider Organisationen nutzen und gleichzeitig die Unternehmenskultur und die Umsetzungsgeschwindigkeit von Harmony bewahren können. Was mich am meisten beeindruckt hat, ist die selbstverständliche Zusammenarbeit der Teams. Es besteht eine starke Übereinstimmung in Bezug auf unsere gemeinsamen Ziele und der vor uns liegenden Chancen.

Peter Kavanagh: Aus Sicht von Harmony lief die Integration sehr pragmatisch ab. Wir haben direkten Zugang zum Know-how von Alpiq erhalten und gleichzeitig jene Autonomie bewahrt, die es uns ermöglicht hat, zu einem der führenden Batterieentwickler Europas zu werden. Diese Kombination erweist sich als äusserst wertvoll.

Könnt Ihr bereits konkrete Beispiele nennen, wo die Kombination von Alpiq und Harmony Energy Mehrwert schafft?

Peter Kavanagh: Ein gutes Beispiel ist Deutschland. Aktuell verfügen wir dort über eine Entwicklungspipeline von rund 5 GW, was das Land zu einem unserer wichtigsten Wachstumsmärkte macht. Die Marktexpertise von Alpiq hilft uns, verschiedene Ertragsmodelle zu evaluieren, kommerzielle Ertragsstrukturen, Risiken und Potenziale besser einzuschätzen und Projekte über ihre gesamte Laufzeit hinweg zu optimieren. Darüber hinaus bereiten wir uns auf die Ernennung von EPC-Vertragspartnern für weitere deutsche Projekte vor, darunter auch Grossentwicklungen, die eine wichtige Rolle bei der Netzflexibilität spielen könnten.

Christoph Bellin: Einen Mehrwert sehen wir auch in der Fähigkeit, schnell Entscheidungen zu treffen und die Finanzierung weiterer Projekte voranzutreiben. Seit Abschluss der Transaktion haben wir die endgültige Investitionsentscheidung für zwei weitere BESS-Projekte in Grossbritannien getroffen – Bramham und Castleford. Diese Projekte gehen in Kürze in die Bauphase und sind ein gutes Beispiel dafür, wie ernst es uns mit unserem Engagement und unserer Zusammenarbeit ist.

Europas Energiesystem verändert sich rasant. Warum werden Batterien so wichtig? Und wo seht Ihr die grössten Chancen für Batteriespeicher in den nächsten Jahren?

Peter Kavanagh: Da Europa seinen Anteil an erneuerbaren Energien weiter ausbaut, wächst der Bedarf an Flexibilität deutlich. Solar- und Windenergie sind für die Dekarbonisierung unerlässlich, sorgen jedoch auch für mehr Schwankungen im System. Batteriespeicher helfen, die Lücke zu schliessen, indem sie Strom aufnehmen, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt, und ihn dann wieder abgeben, wenn das System ihn am meisten benötigt.

Wenn es um Chancen geht, ist Deutschland sicherlich einer der spannendsten Märkte. Wir sind früh in den Markt eingestiegen, weil wir die langfristige Chance erkannt haben und uns rechtzeitig Netzanschlüsse sichern wollten. Heute profitiert Deutschland von einem starken Ausbau erneuerbarer Energien und immer attraktiver werdenden Konditionen für Grossbatterien. Auch in Grossbritannien, Frankreich und Polen sehen wir weiterhin gute Chancen, da die Flexibilitätsanforderungen steigen. Grossbritannien ist für uns ein etablierter Markt, und in Frankreich entwickelt sich die erste von uns in Betrieb genommene Anlage ausserordentlich gut.

Christoph Bellin: Flexibilität wird zu einem der entscheidenden Erfolgsfaktoren der Energiewende. Im Kern wird die Chance durch eine einfache Tatsache begünstigt: Europa braucht mehr Flexibilität. Die Solar- und Windenergieerzeugung wächst weiterhin rasant, gleichzeitig müssen jedoch auch die Flexibilitätsressourcen wachsen. Da Batterien sekundenschnell reagieren können, unterstützen sie die Netzstabilität und tragen dazu bei, die zunehmenden Mengen an erneuerbarer Energie zu integrieren. Das sehen wir in all unseren Märkten.

Was sind die gemeinsamen Ziele für die kommenden Jahre?

Christoph Bellin: Unsere Ambition ist klar: Wir wollen eine der führenden Batteriespeicherplattformen in Europa aufbauen. Wir verfügen über eine starke Projekt-Pipeline, attraktive Marktchancen und die notwendigen Kompetenzen für eine erfolgreiche Skalierung. Wir setzen auf nachhaltiges Wachstum und schaffen gleichzeitig langfristige Werte für Kunden, Partner und das gesamte Energiesystem.
Peter Kavanagh: Skalierung ist wichtig, aber Qualität ebenso. Harmony verfügt derzeit über eine Pipeline von rund 12 GW. Wir wollen nicht nur durch die Grösse unseres Portfolios, sondern auch durch die Qualität unserer Projekte, unserer Partnerschaften und unserer operativen Exzellenz überzeugen. Durch die Kombination der Entwicklungskompetenz von Harmony Energy mit den Kompetenzen von Alpiq im Energiemarkt sind wir ausserordentlich gut positioniert, um beim Übergang Europas zu einem flexibleren, kohlenstoffarmen Energiesystem eine führende Rolle zu spielen.

Zum Abschluss: Wenn Ihr die Zukunft der Partnerschaft in einem Satz zusammenfassen müsstet, wie würde dieser lauten?

Peter Kavanagh: Gemeinsam schaffen wir eine Plattform, die den Ausbau von Batteriespeichern in dem für die Energiewende in Europa erforderlichen Umfang beschleunigen kann.

Christoph Bellin: Und indem wir unsere ergänzenden Stärken bündeln, tragen wir dazu bei, ein widerstandsfähigeres, flexibleres und nachhaltigeres europäisches Stromsystem für die Zukunft zu schaffen.