Wie das Stauwehr Winznau als visionäres Bauprojekt vor über 100 Jahren die Energieversorgung der Schweiz prägte – und bis heute ein Symbol für Innovation, Nachhaltigkeit und Ingenieurskunst ist.
Pionierarbeit in Beton
Das Wehr wurde offen im Fluss gebaut – Pfeiler für Pfeiler, mit modernster Technik der damaligen Zeit. Für die Fundamente kam die anspruchsvolle Caissonbauweise zum Einsatz: Grosse, unten offene Senkkästen wurden in den Fluss abgesenkt und mit Luftdruck trocken gehalten, so dass Arbeiter unter dem Wasserspiegel betonieren konnten. Diese Methode war in der Schweiz damals noch selten und verlangte höchste Präzision.
Bemerkenswert ist auch der nachhaltige Ansatz: Während der Bauphase des Stauwehrs wurde gleichzeitig der Hauenstein-Basistunnel realisiert. Ein Teil des Aushubmaterials aus dem Tunnel wurde genutzt, um die Seitenarme der Alten Aare aufzufüllen – ein frühes Beispiel für Recycling und Ressourcenschonung.
Bauen in bewegten Zeiten
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wurde der Bau für drei Monate gestoppt. Doch die Bedeutung des Projekts für die nationale Energieversorgung war so gross, dass sogar Genie-Truppen der Schweizer Armee eingesetzt wurden. Zudem wurden Mitarbeitende der Baufirmen vom Militärdienst befreit, um das Wehr fertigzustellen.
Eine weitere Pionierleistung: Das Stauwehr Winznau ist eines der ersten noch existierenden Bauwerke der Schweiz aus Sichtbeton. Während bis dahin Wehrbrücken meist aus Eisen gebaut wurden, entschieden sich die Ingenieure für Beton – auch, weil Eisen im Krieg knapp und teuer wurde, während die Rohstoffe für Beton in der Schweiz verfügbar waren.
Gigantische Erdbewegungen und visionäre Pläne
Der Bau des über fünf Kilometer langen Oberwasserkanals erforderte enorme Erdbewegungen. Mit Dampfbaggern, Pferdegespannen und viel Handarbeit wurden Tausende Kubikmeter Erde ausgehoben und abtransportiert. Die Pfeiler des Wehrs wurden sogar so gebaut, dass sie eine mögliche Eisenbahnbrücke hätten tragen können – ein visionäres Projekt, das bis heute ein Traum geblieben ist. Heute dienen diese verbreiterten Pfeiler als Fundament für die neue Passerelle.
Das Stauwehr Winznau steht damit nicht nur für technische Meisterleistung, sondern auch für Weitblick und nachhaltiges Handeln – Werte, die Alpiq bis heute prägen.
Das Stauwehr Winznau bei Olten ist weit mehr als ein technisches Bauwerk – es ist ein Meilenstein der Schweizer Industriegeschichte. Zwischen 1913 und 1917 entstand das Wehr gemeinsam mit dem Wasserkraftwerk Gösgen in einer Zeit des Umbruchs: Die Schweiz stand vor der Herausforderung, ihre Energieversorgung zu sichern und unabhängiger von Kohleimporten zu werden. Die Nutzung der Wasserkraft wurde zum Symbol für Selbstständigkeit und Fortschritt.