Versorgungssicherheit

Wasserkraft und Kernenergie: zwei Säulen der Schweizer Stromversorgung – heute und morgen

28.08.2026, 08:00 | Versorgungssicherheit

Über die künftige Rolle der Wasserkraft und der Kernenergie in der Schweiz wird eine lebhafte Debatte geführt. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Frage, inwieweit Kernkraftwerke die Wasserkraft unter wirtschaftlichen Druck setzen könnten. Alpiq hat zu dem Thema eigene Analysen durchgeführt: Basierend auf unseren umfassenden Modellrechnungen ergibt sich – anders als gewisse Szenarien zeigen - ein ausgewogeneres Bild: Wasserkraft und Kernenergie sind keine konkurrierenden Technologien. Sie ergänzen sich gegenseitig und können gemeinsam die Versorgungssicherheit der Schweiz in einem CO₂-armen Stromsystem stärken.

Welche Auswirkungen hätten neue Kernkraftwerke in der Schweiz auf die erneuerbare Energiequelle Wasserkraft, die das Rückgrat der nationalen Stromversorgung bildet, und deren Wirtschaftlichkeit? Verschiedene Studien und Szenarien haben die Frage zuletzt stärker in den Fokus der nationalen energiepolitischen Debatte gerückt. 

Grund genug für Alpiq, eigene Analysen anzustellen, die im Ergebnis zu einem differenzierten Bild kommen. 

Unsere Simulationen wurden auf Basis fundamentaler Modelle durchgeführt, die sowohl die europäische Interkonnektivität - die Schweiz befindet sich im Zentrum des europäischen Netzes - als auch die technischen Einschränkungen von Wasserkraft und Kernenergie explizit abbilden.

Diese Analysen wurden von zwei unabhängigen Alpiq-Teams durchgeführt und umfassen verschiedene Nuklearszenarien – sowohl jenes einer Studie der Fachhochschule Wallis (+1600 / +3200 MW) als auch realistischere Szenarien für die Schweiz (Langzeitbetrieb von Gösgen* und Leibstadt über 60 Jahre hinaus, +2280 MW, sowie eine neue Anlage mit 1200 MW bis 2050). Die Ergebnisse berücksichtigen zudem meteorologische Variabilität und beziehen sich auf das Jahr 2050.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Zusätzliche Kernenergieproduktion hat tatsächlich einen Einfluss auf die Rentabilität der Wasserkraft, jedoch deutlich moderater als etwa in der Studie der Fachhochschule Wallis ausgewiesen.
  • Für Laufwasser- und Speicherkraftwerke ist der Rückgang der Rentabilität rund viermal geringer als in dieser Studie angegeben: Laufwasser -4 % bis -11 %, Speicher -3 % bis -6 %.
  • Die Rentabilität von Pumpspeicherkraftwerken steigt hingegen (+1 % bis +8 %), was sich durch die Kombination zweier Zyklen erklären lässt:
    • Aufnahme von Photovoltaiküberschüssen am Tag
    • Aufnahme von nuklearer Grundlast in der Nacht
  • Die Analysen berücksichtigen ausschliesslich den Energiemarkt und nicht die weiteren Flexibilitätsmärkte (Systemdienstleistungen), die der Wasserkraft zur Verfügung stehen – der Gesamteffekt auf die Profitabilität würde noch geringer ausfallen.

Fazit: Komplementarität statt Konkurrenz

Die Methodik von Alpiq bildet das Schweizer Energiesystem 2050 direkt und realitätsnah ab. Unsere Analysen zeigen, dass die oftmals kolportierten negativen Effekte deutlich überschätzt werden.

In einem realistischen Szenario bis 2050 erweisen sich Kernenergie und Wasserkraft als komplementäre Technologien, die gemeinsam zur Versorgungssicherheit und zu einer CO₂-armen Stromproduktion in der Schweiz beitragen.

*Für Alpiq ist der Neubau von Kernkraftwerken im Moment kein Thema. Im Bereich Kernenergie konzentrieren wir uns auf den sicheren und wirtschaftlichen Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke, den es braucht, um noch lange einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit zu leisten und uns die nötige Zeit für den Umbau des Energiesystems auf erneuerbare Energien zu geben. Sollten künftig neue Kernkraftwerke in der Schweiz gebaut werden, wären dafür stabile politische, regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen notwendig. Eine staatliche Unterstützung wäre also unumgänglich.

Disclaimer: 

Für Alpiq ist der Neubau von Kernkraftwerken im Moment kein Thema. Im Bereich Kernenergie konzentrieren wir uns auf den sicheren und wirtschaftlichen Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke, den es braucht, um noch lange einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit zu leisten und uns die nötige Zeit für den Umbau des Energiesystems auf erneuerbare Energien zu geben. Sollten künftig neue Kernkraftwerke in der Schweiz gebaut werden, wären dafür stabile politische, regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen notwendig. Eine staatliche Unterstützung wäre also unumgänglich.