Schwachstelle im 220-kV-Stromnetz der Region Basel

Das Stromhandelsunternehmen Aare-Tessin AG für Elektrizität (Atel) kann die 220-kV-Leitung zwischen Pratteln und Therwil (Kt. BL) nicht ausbauen. Die fehlende Erfolgsaussicht bei den Verhandlungen mit den Einsprechern in der Gemeinde Münchenstein und die neue NIS-Verordnung des Bundes sind die Gründe, weshalb Atel das Projekt gestoppt hat.

Notwendiger Ausbau wird nicht realisiert

Die Verhandlungen mit den Einsprechern gegen den Ausbau des Teilstücks in der Gemeinde Münchenstein wurden im April 1999 ergebnislos abgebrochen. Am 1. Februar 2000 trat die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) in Kraft. Der darin vorgeschriebene Anlagegrenzwert für elektromagnetische Felder von 1µT (1 Mikro-Tesla) kann mit dem Ausbauprojekt in Münchenstein nicht eingehalten werden. Der Verhandlungsabbruch und die NIS-Verordnung haben Atel im April 2000 dazu bewogen, das Projekt zu stoppen.

Das 220-kV-Stromnetz der Region Basel wurde in den letzten Jahren etappenweise auf Bündelleiter verstärkt. Jetzt bleibt die letzte der insgesamt acht Strecken zwischen "Zinggibrunn" (Gemeinde Pratteln) und dem Unterwerk Froloo (Gemeinde Therwil) als Schwachstelle erhalten. Das 220-kV-Hochspannungsnetz sichert die Stromversorgung der Region. Das Netz muss verstärkt werden, weil die Kapazität dem in den letzten Jahren gestiegenen Stromverbrauch nicht mehr entspricht.

Atel hatte die Absicht, das vorhandene Leiterseil mit einem zweiten Seil zu einem sogenannten Bündelleiter zu kombinieren. Die Kapazität wäre dadurch verdoppelt worden, die Spannung von 220 kV wäre aber unverändert geblieben. Die bestehenden Masten hätten das zweite Seil problemlos tragen können.

Ein Ausbau der Kapazität liesse sich anstelle der Freileitung mit einer teilweisen Verkabelung der Leitung im Boden realisieren. Nach heutigem Stand der Technik würde eine solche Lösung aber über 60 Mio. Franken kosten. Der jetzt gestoppte Ausbau auf Bündelleiter wurde auf knapp 2 Mio. Franken veranschlagt. Der Kostenvergleich macht deutlich, dass eine teilweise Verkabelung wirtschaftlich nicht tragbar wäre.

Der entstandene Engpass hat zur Folge, dass die Versorgungssicherheit negativ beeinflusst wird. Probleme können entstehen, wenn der Stromverbrauch im Raum Basel wie in der Vergangenheit kontinuierlich wächst. Die Leitung ist zwischen Pratteln und Therwil bereits heute stark belastet, im Normalbetrieb treten aber keine Ueberlastungen auf. Bei einer Störung im Netz kann dies aber nicht mehr ausgeschlossen werden. Die Atel ist bestrebt, nach einer mittelfristig realisierbaren Lösung zu suchen.

Aare-Tessin AG für Elektrizität Kommunikation und Energiepolitik