Reaktorunfälle in Japan: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Das schwere Erdbeben und der Tsunami haben im japanischen Kernkraftwerk Fukushima zu Reaktorunfällen geführt. Noch unklar sind die genauen Ursachen sowie die Auswirkungen auf die Schweiz.
Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir hier zusammengestellt.
Nach der Erdbebenkatastrophe und dem Tsunami ist es im japanischen Atomkraftwerk Fukushima zu schweren Reaktorunfällen gekommen. Ist ein ähnliches Szenario auch bei den Schweizer Atomkraftwerken denkbar?
Die Risikolage in der Schweiz ist anders als in Japan. Ein Erdbeben der Stärke 9.0, kombiniert mit einem Tsunami wie in Japan, ist hier gemäss Experteneinschätzung nicht zu erwarten. Dennoch sind auch die Schweizer Kernkraftwerke auf Extremfälle ausgelegt. Obwohl in der Schweiz keine Tsunamis möglich sind, sind die Sicherheitssysteme der Schweizer Kernkraftwerke gegen Flutwellen und Überflutung geschützt. Da die KKW zur direkten oder indirekten (via Kühlturm) Kühlung an Flüssen gebaut wurden, sind zwei Ursachen zur Überflutung denkbar. Dies sind extreme Hochwasser oder Dammbrüche entlang des Flusses oberhalb des Kraftwerks. Dammbrüche entstehen am häufigsten durch extreme äussere Einflüsse wie Erdbeben. Folglich wurde auch bei der Auslegung der Schweizer KKW das gleichzeitige Auftreten eines Erdbebens mit mehrfachen Dammbrüchen berücksichtigt.
In den japanischen Reaktoren hat das Kühlsystem versagt. Könnte dies auch in Schweizer Reaktoren passieren?
Noch weiss man nicht genau, was zum Ausfall des Kühlsystems geführt hat. Bei Schweizer Kernkraftwerken gibt es aber mehrere Notstromgruppen, die bei einem Ausfall der Stromversorgung dafür sorgen, dass die Kühlmittelpumpen genügend Strom haben. Diese Systeme sind mehrfach redundant und gewährleisten eine ausreichende Kühlung.
Wie hoch ist die Strahlenbelastung in Japan?
Die von verschiedenen Stellen gemeldeten Strahlungswerte für die Umgebung der Anlage zeigen grosse Schwankungen. Die Strahlenbelastung ist an einigen Orten erhöht. In der unmittelbaren Umgebung des KKW Fukushima Dai-ichi wurden stark erhöhte Werte gemessen.
Ist die Bevölkerung in der Schweiz gefährdet?
Für die Bevölkerung in der Schweiz und Europa besteht gemäss der jüngsten Lagebeurteilung des ENSI keine direkte Gefahr.
Werden nun Massnahmen im Hinblick auf die Schweizer Kernkraftwerke ergriffen?
Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) hat auf Aufforderung von Bundesrätin Doris Leuthard verfügt, dass die Schweizer Kernkraftwerke die Auslegung ihrer Anlagen gegen Erdbeben und Hochwasser unverzüglich überprüfen müssen. Die Betreiber legten am 31. März 2011 einen entsprechenden Bericht vor. Ausserdem hat das ENSI Sofortmassnahmen verfügt, um die für die Bekämpfung schwerer Unfälle zur Verfügung stehenden Mittel zu verstärken. Dazu gehört insbesondere der Zugang zu einem externen Lager, in dem erdbeben- und überflutungssicher genügend Notstromaggregate, Pumpen, Kabel, Schläuche, Treibstoff und Borierungsmittel zur Verfügung stehen. Dieses wurde am 1. Juni 2011 in Betrieb genommen. Die Schweizer Kernkraftwerke nehmen auch am EU-Stresstest teil.
Müssen die Sicherheitskonzepte angepasst werden?
Es muss genau analysiert werden, was zu den Reaktorunfällen in Japan geführt hat. Die vom ENSI angeordnete Überprüfung der bestehenden Anlagen ist ein erster Schritt. Die Erkenntnisse dieser Analyse werden bestimmt in die Sicherheitskonzepte der schweizerischen Kernkraftwerke einfliessen. Noch ist es aber zu früh, Folgerungen im Bereich der nuklearen Sicherheit in der Schweiz zu ziehen.
Das UVEK hat die Rahmenbewilligungsgesuche für die geplanten Ersatzkernkraftwerke sistiert. Wie steht Alpiq dazu?
Alpiq hat diese Entscheidung zur Kenntnis genommen und teilt die Auffassung von Bundesrätin Doris Leuthard, dass Sicherheit und Wohlergehen der Bevölkerung oberste Priorität haben. Alpiq wird wie bisher mit den Behörden zusammenarbeiten und sie in ihrer Arbeit unterstützen. Über die Wiederaufnahme der Rahmenbewilligungsverfahren und ihre weitere Gestaltung entscheiden die Behörden. Die Volksabstimmung am Schluss der Verfahren bietet allen Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, sich mit der Zukunft der Schweizer Energieversorgung auseinanderzusetzen.
Muss die Erdbebensicherheit der Schweizer Kernkraftwerke neu überdacht werden?
In der Schweiz wurde bereits 2007 durch die sogennante PEGASOS-Studie das Erdbebenrisiko neu bestimmt. Das ENSI hat daraufhin verschärfte Vorschriften erlassen. Verschiedene Ertüchtigungen in den Bereichen Bautechnik und Notstromversorgung wurden seither umgesetzt. Noch zum Erdbebenrisiko: Das Erdbeben in Japan war mehr als 1000 Mal stärker als das stärkste Erdbeben, das es in der Schweiz je gab (Basel 1356, geschätzte Magnitude: zwischen 6,3 und 6,9).

