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Alpiq in: Europa

4 Fragen zum Strompreis – Kurz beantwortet

Strom ist aus unserem Leben nicht wegzudenken. Strom heisst Wohlstand und Sicherheit. Strom hat aber auch einen Preis. Lesen Sie, wie dieser zustande kommt.

  • Warum hat der Strom keinen Einheitspreis?
  • Wie entwickelt sich der Strompreis?
  • Wie setzt sich die Strompreis zusammen?
  • Wie wirkt sich der freie Strommarkt auf den Preis aus?

1. Warum hat Strom keinen Einheitspreis?

Anders als z.B. beim Benzin gibt es in der Schweiz keinen einheitlichen Strompreis. Je nach Region oder Kundenkategorie können die Preise teils mehr als 50% auseinanderliegen. Grund dafür sind die je nach Anbieter unterschiedlichen regionalen, topographischen und fiskalischen Gegebenheiten, aber auch die fehlende Marktöffnung für Konsumenten mit einem jährlichen Verbrauch von weniger als 100‘000 kWh. Dies gilt es zu bedenken, wenn von Durchschnittspreisen die Rede ist.


2. Wie entwickelt sich der Strompreis?

Privatkunden zahlen 2016 laut ElCom 20.6 Rp. pro kWh. Die jährliche Stromrechnung eines Durchschnittshaushaltes mit einem Verbrauch von 4500 kWh/Jahr liegt somit bei etwa 930 CHF.

Zwischen 1995 und 2006 waren die Strompreise stark rückläufig. Seither sind sie teilweise wieder gestiegen. Dafür massgebend waren die Kosten für Netzbetrieb und Reservehaltung und die Belastung durch Abgaben und Steuern. Einem anderen Muster folgten die Produktionskosten: Sie sind in den letzten Jahren stark gesunken. Dank diesem Umstand liegen die Strompreise insgesamt immer noch unter dem Niveau von 1995. Das lässt sich nicht von allen Gütern des täglichen Bedarfs sagen.

Electricity price

Quelle: VSE
Datengrundlage: VSE 1990 - 2009, ElCom
Strompreiserhebung ab 2010


3. Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Der Strompreis setzt sich aus drei Komponenten zusammen:

  • Produktionskosten,
  • Netzkosten,
  • Steuern und Abgaben.

Unter den Produktionskosten versteht man die Kosten für die Herstellung des Stroms. Diese variieren je nach Art der Stromproduktion und je nach Kraftwerk. Ob und wie die externen Kosten und die staatliche Förderung und Besteuerung in die Berechnung einfliessen, ist politisch meist umstritten und deshalb nicht immer leicht zu beantworten.

Die Netzkosten spiegeln die Kosten für den Transport des Stroms über das Netz vom Kraftwerk bis zum Kunden. Dabei gilt: Je länger der Transportweg, desto höher die Netzkosten. Darum ist der Anteil der Netzkosten bei den Privathaushalten höher als bei Gewerbe- und Industriebetrieben oder Grossverteilern, die näher am Hochspannungsnetz sind als die Steckdosen der Privathaushalte auf den unteren Netzebenen. Das wirkt sich auch auf den Gesamtpreis aus. Dieser liegt z.B. für Gewerbekunden mit einem Jahresverbrauch von 150‘000 kWh bei durchschnittlich 17.5 Rp./kWh und bei Industriekunden mit einem Verbrauch von 1.5 Mio. kWh bei durchschnittlich 15 Rp./kWh.

Die dritte Strompreiskomponente sind die Steuern und Abgaben: Ihr Gewicht hat über die letzten Jahre stark zugenommen. Die 2009 eingeführte Förderabgabe für erneuerbare Energien (KEV) wurde schrittweise von 0.6 Rp./kWh auf 1.1 Rp./kWh erhöht und wird 2016 bei 1.3 Rp./kWh liegen. Im Rahmen der Energiestrategie 2050 soll die gesetzliche Obergrenze für die KEV bis auf 2.3 Rp./kWh angehoben werden. Auch die etappenweise Erhöhung der Wasserzinsen (2011 und 2015) und die Erhebung eines Renaturierungsbeitrags seit 2012 fallen mit insgesamt 0,35 Rp./kWh ins Gewicht. Zusammen mit der bereits bestehenden Palette von Steuern und Abgaben, Konzessionen, Wasserzinsen und Auflagen von Bund, Kantonen und Gemeinden ergibt sich ein Anteil von rund einem Drittel am Strompreis. Dies wird nicht immer ganz deutlich, wenn je nach Darstellung ein Teil der Abgaben den andern Preiskomponenten zugeschlagen wird (z.B. die Wasserzinsen dem Energieteil).

Werden aber alle Steuern und Abgaben tatsächlich unter dieser Rubrik ausgewiesen, ergibt sich 2016 für eine Kilowattstunde (kWh) Haushaltstrom eine ungefähr gleichmässige Dreiteilung des Strompreises:

Zusammensetzung des Strompreises

Zusammensetzung des Strompreises beim Haushaltsstrom
Quelle: Alpiq 2015


4. Wie wirkt sich der freie Strommarkt auf den Preis aus?

Mit der teilweisen Öffnung des Schweizer Strommarktes ab 2009 können Kunden mit über 100‘000 kWh Verbrauch wählen, ob sie ihren Strom am freien Markt beschaffen oder in der Grundversorgung bleiben wollen. Die Marktpreise folgen Angebot und Nachfrage. Sie lagen zu Beginn der Marktöffnung über den Preisen der Grundversorgung. Heute liegen sie darunter. Darum ist bis 2015 bereits ein Drittel der Grossverbraucher in den freien Markt gewechselt. Diese Entwicklung zeigt, dass eine vollständige Marktöffnung mit freier Wahl des Anbieters auch allen anderen Kunden Vorteile bringen könnte. Die vollständige Strommarktöffnung ist für 2018 vorgesehen, vorausgesetzt, das Volk stimmt ihr zu (fakultatives Referendum).


Der Strompreis im europäischen Vergleich
Die Strompreise für Haushalte und Industriekunden in der Schweiz bewegen sich etwa im europäischen Mittel. Die Haushaltstrompreise liegen zum Teil deutlich unter den Preisen vergleichbarer Länder Westeuropas. Die sehr teure Förderung der erneuerbaren Energien hat z.B. zur Folge, dass der Haushaltstrom in Deutschland bei etwa 31 Rp./kWh liegt und der Anteil der staatlichen Abgaben und Steuern am Strompreis rund 52% ausmacht (www.bdew.de).

Genügend Eigenproduktion sorgt für langfristig günstige Preise
Ein Element, das die Preisbildung günstig beeinflusst, ist die Fähigkeit, genügend Strom im Inland zu produzieren. Das ist der Schweiz in den letzten 50 Jahren meist gut gelungen – dank dem Ausbau der Wasser- und Kernkraft. Sie konnte sich so vor teuren Importen und internationalen Engpässen schützen und die Strompreise vergleichsweise tief halten. Ob das auch in Zukunft möglich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem auch von der künftigen Ausgestaltung der Schweizer Energiepolitik.